Wenn Nasenverstopfung, zäher Schleimfluss in den Rachen, Gesichtsdruck und ein vermindertes Riechvermögen nicht nur Wochen, sondern Monate anhalten, lautet die Frage nicht nur: „Habe ich eine Sinusitis?“ Die Antwort auf die Frage, wann eine chronische Sinusitis operiert wird, ergibt sich aus der gemeinsamen Beurteilung der Dauer der Beschwerden, der Ergebnisse bereits angewandter Behandlungen, des Erscheinungsbildes der Nasennebenhöhlen in der Computertomographie und der anatomischen Strukturen im Naseninneren. Ziel ist nicht, jeden Patienten mit Sinusitis zu operieren, sondern bei geeigneten Patienten die natürlichen Belüftungs- und Drainagewege der Nasennebenhöhlen sicher wieder funktionsfähig zu machen.
Eine chronische Sinusitis geht in der Regel mit Beschwerden wie einer länger als 12 Wochen bestehenden Nasenverstopfung, Nasenausfluss oder Schleimfluss in den Rachen, Gesichtsschmerzen oder Druckgefühl und Geruchsverlust einher. Diese Symptome treten nicht immer mit derselben Intensität auf. Manche Patienten suchen wegen häufiger Antibiotikabehandlungen ärztliche Hilfe, während für andere das Hauptproblem in einer dauerhaften Mundatmung, verminderter Schlafqualität oder einem tagsüber anhaltenden Druck- und Völlegefühl im Kopf besteht.
Wie wird die Entscheidung für eine Operation bei chronischer Sinusitis getroffen?
Die Entscheidung für eine Operation basiert weder auf einem einzelnen Computertomographie-Bild noch auf nur einer Beschwerde. Zunächst wird die Krankengeschichte des Patienten ausführlich erhoben; Allergien, Asthma, Rauchen, Reflux, Erkrankungen des Immunsystems, frühere Nasenoperationen und verwendete Medikamente werden berücksichtigt. Anschließend werden mittels Nasenendoskopie das Naseninnere, der als mittlerer Nasengang bezeichnete Abflussbereich der Nasennebenhöhlen, das Vorhandensein von Polypen und die Art des Sekrets untersucht.
Die Computertomographie der Nasennebenhöhlen ist das wichtigste bildgebende Verfahren für die Operationsplanung. Sie zeigt, welche Nasennebenhöhlen betroffen sind, ob die natürlichen Drainagewege blockiert sind und wie benachbarte Strukturen wie Augenhöhle oder Schädelbasis verlaufen, die während der Operation geschont werden müssen. Eine leichte Schleimhautverdickung in der Computertomographie allein bedeutet jedoch nicht, dass eine Operation erforderlich ist. Die Bildgebungsbefunde sollten mit den Beschwerden des Patienten und der endoskopischen Untersuchung übereinstimmen.
Beschwerden, die trotz ausreichender medikamentöser Behandlung nicht abklingen
Bei der Behandlung einer chronischen Sinusitis besteht der erste Ansatz meist aus Medikamenten und unterstützenden Pflegemaßnahmen. Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, vom Arzt empfohlene intranasale Kortikosteroidsprays, die Kontrolle von Allergien und bei geeigneten Patienten eine medikamentöse Behandlung von Infektionen gehören zu diesem Ansatz. Antibiotika sind nicht bei jeder chronischen Sinusitis erforderlich; Dauer und Auswahl sollten anhand der klinischen Befunde bestimmt werden.
Wenn trotz einer Behandlung über einen angemessenen Zeitraum und mit der richtigen Methode keine deutliche Besserung erreicht wird, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Was unter einer „ausreichenden Behandlung“ zu verstehen ist, ist individuell unterschiedlich. So unterscheidet sich beispielsweise der Behandlungsplan eines Asthmapatienten mit chronischer Rhinosinusitis und Polypen von dem eines Patienten mit wiederkehrender Sinusitis aufgrund einer strukturellen Verengung.
Eine Erkrankung, die den Alltag deutlich beeinträchtigt
Die Entscheidung für eine Operation wird nicht allein anhand der Anzahl von Infektionen getroffen. Mit einer dauerhaft verstopften Nase zu leben, nachts nicht erholsam schlafen zu können, Gerüche nicht wahrzunehmen, beim Sprechen einen ständigen Schleimfluss in den Rachen zu verspüren oder unter einem Druckgefühl im Kopf- und Gesichtsbereich zu leiden, das die Arbeitsleistung beeinträchtigt, ist klinisch bedeutsam. Insbesondere Geruchsverlust, Schlafstörungen und wiederkehrende Schübe können die Lebensqualität erheblich einschränken.
Bei manchen Patienten können Beschwerden, die für Sinusprobleme gehalten werden, eine andere Ursache haben. Migräne, zahnmedizinische Probleme, Erkrankungen des Kiefergelenks oder neurologische Ursachen können Gesichtsschmerzen hervorrufen. Daher sind Gesichtsschmerzen allein kein ausreichender Grund für eine Nasennebenhöhlenoperation. Eine korrekte Diagnose ist der wichtigste Schritt, um unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Wann wird eine chronische Sinusitis operiert: Häufige Situationen
Eine funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation wird meist bei Patienten mit chronischer Sinusitis erwogen, die von einer medikamentösen Behandlung nicht ausreichend profitieren und bei denen Untersuchungs- sowie Computertomographie-Befunde mit der Erkrankung übereinstimmen. Eine Operation kann außerdem bei Nasenpolypen, ausgeprägten Verengungen der Nebenhöhlenöffnungen, wiederkehrenden akuten Sinusitis-Episoden oder besonderen Erkrankungen wie einem Pilzball erforderlich sein.
Eine ausgeprägte Septumdeviation, vergrößerte Nasenmuscheln oder strukturelle Probleme infolge früherer Traumata und Operationen können die Drainage der Nasennebenhöhlen beeinträchtigen. Die Korrektur dieser Strukturen kann bei manchen Patienten in derselben Sitzung wie die Nasennebenhöhlenoperation geplant werden. Eine Septumoperation bedeutet jedoch nicht automatisch, dass auch eine Sinusoperation erforderlich ist, ebenso wenig löst eine Nasennebenhöhlenoperation jedes Problem einer Nasenverstopfung allein.
Auch eine dentogene Sinusitis erfordert eine gesonderte Beurteilung. Besonders bei Patienten mit einseitigem, übel riechendem Ausfluss und Beteiligung der Kieferhöhle sollten Zahnwurzelinfektionen, Implantatbehandlungen oder Verbindungen zwischen Mundhöhle und Nasennebenhöhle untersucht werden. Für eine dauerhafte Lösung muss neben der Behandlung der Nasennebenhöhle auch die zahnmedizinische Ursache durch die entsprechende Fachrichtung behandelt werden.
Was ist das Ziel einer endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation?
Nach heutigem Ansatz wird die Nasennebenhöhlenoperation mit Endoskopen durch die Nasenlöcher durchgeführt und erfordert keinen äußeren Hautschnitt. Bei der als funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie bezeichneten Methode wird erkranktes Gewebe im erforderlichen Umfang entfernt und die natürlichen Abflusswege der Nasennebenhöhlen werden geöffnet. Ziel ist es, die Belüftung der Nasennebenhöhlen zu verbessern und den Zugang der angewendeten Medikamente zu den betroffenen Bereichen zu erleichtern.
Der Umfang der Operation ist nicht bei jedem Patienten gleich. Während bei manchen Patienten ein begrenzter Eingriff an einem einzelnen Nebenhöhlenbereich ausreichen kann, kann bei einer ausgeprägten Polypenerkrankung ein umfassenderer Eingriff erforderlich sein. Bei bereits operierten Patienten, veränderter Anatomie oder wiederkehrender Erkrankung ist die Planung anspruchsvoller. In diesen Fällen sind eine detaillierte Auswertung der Computertomographie, eine endoskopische Beurteilung und ein erfahrener chirurgischer Ansatz besonders wichtig.
Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Die Operationsdauer hängt von der Anzahl der zu behandelnden Nasennebenhöhlen und begleitenden Nasenoperationen ab. Moderne Bildgebung, hochauflösende endoskopische Systeme und bei Bedarf Navigationstechnologie können bei komplexen anatomischen Verhältnissen die Operationsplanung unterstützen; entscheidend bleiben jedoch die richtige Indikationsstellung und eine sorgfältige Operationstechnik.
Risiken der Operation und realistische Erwartungen
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen auch bei einer endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation Risiken wie Blutungen, Infektionen, Verwachsungen, ein Wiederauftreten der Erkrankung und die Notwendigkeit weiterer Eingriffe. Aufgrund der anatomischen Nähe der Nasennebenhöhlen zu Augen und Schädelbasis sollten auch seltene, aber wichtige Risiken wie augenbezogene Komplikationen oder ein Austritt von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit vor der Operation ausführlich besprochen werden.
In den ersten Tagen nach der Operation können Nasenverstopfung, leicht blutiger Ausfluss und Krustenbildung auftreten. Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, verschriebene Sprays und regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen sind Bestandteil der weiteren Behandlung während der Heilungsphase. Insbesondere bei einer chronischen Sinusitis mit Polypen sollte die Operation nicht als einmalige Lösung verstanden werden, die die Erkrankung vollständig beseitigt. Die langfristige Kontrolle begleitender Erkrankungen wie Allergien, Asthma oder einer ausgeprägten Schleimhautentzündung ist ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungserfolgs.
Der Erfolg einer Operation wird nicht allein daran gemessen, dass die Computertomographie unauffällig aussieht. Dass der Patient leichter atmen kann, sich Schlaf und Geruchssinn verbessern, die Zahl der Krankheitsschübe abnimmt und der Alltag komfortabler bewältigt werden kann, sind wesentlich aussagekräftigere Ergebnisse. Ein seit langer Zeit bestehender Geruchsverlust lässt sich jedoch nicht bei jedem Patienten vollständig beheben. Die Erwartungen sollten entsprechend den Untersuchungsbefunden realistisch festgelegt werden.
Welche Fragen sollten im Gespräch vor der Operation beantwortet werden?
In der Entscheidungsphase sollte dem Patienten klar erklärt werden, was die Ursache der Erkrankung ist, welche Nasennebenhöhlen betroffen sind und welche Beschwerden durch die Operation voraussichtlich verbessert werden können. Verwendete Medikamente, Blutverdünner, Allergien, Asthmatherapie und frühere Operationen sollten unbedingt vollständig angegeben werden. Besonders bei Patienten, die bereits an den Nasennebenhöhlen oder der Nase operiert wurden, können Informationen zu früheren Eingriffen und aktuelle Computertomographie-Aufnahmen die Planung erleichtern.
Auch im Ansatz von Prof. Dr. Gediz Murat Serin basiert die Entscheidung für eine Nasennebenhöhlenoperation nicht nur auf dem Ergebnis der Bildgebung, sondern auf einer ausführlichen Untersuchung, Endoskopie, der Atemfunktion des Patienten und seinen Erwartungen an die Lebensqualität. Wenn strukturelle Probleme im Naseninneren hinzukommen, stehen die funktionellen Bedürfnisse im Mittelpunkt der Planung.
Es ist nicht notwendig, eine lang anhaltende Nasenverstopfung oder wiederkehrende Sinusitis-Episoden als normalen Bestandteil des Lebens hinzunehmen. Eine korrekte Beurteilung kann zeigen, dass manchmal eine regelmäßige medikamentöse Behandlung ausreicht und in anderen Fällen eine Operation die geeignete Option für eine langfristige Linderung darstellt. Der sinnvollste Schritt besteht darin, sich an einen HNO-Arzt zu wenden, der Ihre Beschwerden und Bildgebungsergebnisse gemeinsam beurteilt und die Entscheidung entsprechend Ihrer individuellen Situation trifft.



