Ein Loch in der Nasenscheidewand (Septum), die die beiden Nasenhöhlen voneinander trennt, sollte nicht einfach als „Wunde in der Nase“ betrachtet werden. Die Frage, mit welchen Untersuchungen eine Septumperforation abgeklärt wird, die Beschwerden wie pfeifende Atemgeräusche, Krustenbildung, wiederkehrendes Nasenbluten oder eine verstopfte Nase verursachen kann, erfordert eine umfassendere Untersuchung als die bloße Beurteilung der Größe des Lochs. Eine korrekte Diagnose sollte die Lage und Größe der Perforation, den Zustand des umliegenden Gewebes und vor allem die Ursache ihrer Entstehung gemeinsam erfassen.
Insbesondere bei Personen, bei denen bereits eine Operation an der Nasenscheidewand, eine Rhinoplastik oder ein Trauma vorausgegangen ist, beeinflusst die Abklärung unmittelbar den Erfolg einer möglichen Rekonstruktionsoperation. Nicht jede Perforation muss operiert werden. Andererseits können selbst einige kleine Perforationen aufgrund ihrer Lage und der dadurch entstehenden Luftströmung deutliche Beschwerden verursachen.
Der erste Schritt bei der Abklärung einer Septumperforation: Eine ausführliche Anamnese
Der diagnostische Prozess beginnt häufig nicht mit einem Untersuchungsgerät, sondern mit einem ausführlichen Patientengespräch. Dabei wird erfragt, wann die Beschwerden begonnen haben, wie häufig Nasenbluten und Krustenbildung auftreten, ob ein Trockenheitsgefühl in der Nase, unangenehmer Geruch, Schmerzen, pfeifende Atemgeräusche oder Veränderungen der Atemqualität bestehen. Auch die Beobachtung des Patienten, ob sich die Perforation vergrößert hat, kann wichtige Hinweise liefern.
Frühere Nasenoperationen, Nasentraumen, häufiges Nasebohren, die langfristige Anwendung von Nasensprays oder berufliche Exposition gegenüber Chemikalien werden ebenfalls berücksichtigt. Auch der Konsum von Substanzen wie Kokain, die das Nasengewebe schädigen können, sollte aus medizinischer Sicht offen angesprochen werden. Diese Information dient nicht der Beurteilung des Patienten, sondern ist notwendig, um einen sicheren und wirksamen Behandlungsplan zu erstellen.
Manche Perforationen sind nicht ausschließlich auf lokale Verletzungen oder chirurgische Eingriffe zurückzuführen. Auch Autoimmunerkrankungen, chronische Infektionen, selten neoplastische Prozesse oder systemische Entzündungserkrankungen können zu einem Gewebeverlust an der Nasenscheidewand führen. Daher ist anstelle eines einheitlichen Standard-Testpakets ein Vorgehen erforderlich, das sich nach der Krankengeschichte und den Untersuchungsbefunden der jeweiligen Person richtet.
Mit welchen Untersuchungen wird eine Septumperforation abgeklärt?
Vordere Rhinoskopie und ausführliche HNO-Untersuchung
Bei der Untersuchung wird der vordere Abschnitt der Nasenscheidewand durch den Naseneingang beurteilt. Dabei wird geprüft, ob die Perforation sichtbar ist und ob sich an ihren Rändern Krusten, Blutungen, Anzeichen einer Infektion oder unregelmäßiges Gewebe befinden. Gleichzeitig werden auch die Nasenklappe, die Nasenmuscheln, eine Septumdeviation und der Feuchtigkeitshaushalt in der Nase beurteilt.
In diesem Stadium wird der ungefähre Durchmesser der Perforation gemessen und festgestellt, ob sie sich im vorderen, mittleren oder hinteren Bereich befindet. Neben der Größe des Lochs in Millimetern ist auch seine Nähe zum Nasenboden, zum Nasenrücken und zu den stützenden Knorpelstrukturen von Bedeutung. Denn die chirurgische Planung, die Menge des gesunden Gewebes und die möglichen Rekonstruktionstechniken hängen von diesen anatomischen Einzelheiten ab.
Nasale Endoskopie
Die nasale Endoskopie ermöglicht mithilfe dünner, beleuchteter optischer Instrumente die Untersuchung tiefer gelegener Bereiche der Nasenhöhle. Die hinteren Ränder der Septumperforation, die Nasenmuscheln, die Drainagebereiche der Nasennebenhöhlen und der Nasenrachenraum können detailliert beurteilt werden. Die hintere Ausdehnung einer bei der vorderen Untersuchung klein erscheinenden Perforation oder der tatsächliche Zustand der umgebenden Schleimhaut lässt sich bei dieser Untersuchung möglicherweise genauer erkennen.
Die Endoskopie ist außerdem hilfreich, um begleitende Erkrankungen wie chronische Rhinitis, Sinusitis, Polypen, Verwachsungen oder strukturelle Veränderungen nach einer Operation festzustellen. Der Eingriff dauert in der Regel nur kurz. Bei Bedarf kann ein lokales Betäubungsspray eingesetzt werden, um den Patientenkomfort zu verbessern.
Fotodokumentation und Vermessung
Der Durchmesser und die Form der Perforation können unter geeigneten Untersuchungsbedingungen gemessen und dokumentiert werden. Fotografische oder endoskopische Aufnahmen sind hilfreich, wenn im Verlauf eine Vergrößerung vermutet wird, das Ansprechen auf eine medikamentöse Behandlung überwacht werden soll oder eine Operation geplant wird.
Bei der Vermessung werden die horizontalen und vertikalen Durchmesser der Perforation, die Qualität des Gewebes an ihren Rändern und die verbleibenden Stützbereiche der Nasenscheidewand berücksichtigt. Insbesondere bei Patienten, die bereits eine Revisionsoperation an der Nase hatten, bestimmen die vorhandenen Knorpelreserven, das Narbengewebe und anatomische Veränderungen infolge früherer Eingriffe den Schwierigkeitsgrad der Rekonstruktion. Daher ist die Angabe, wie viele Millimeter groß die Perforation ist, allein kein ausreichendes Entscheidungskriterium.
Wann ist eine Computertomografie erforderlich?
Eine Computertomografie ist nicht bei jeder Septumperforation zwingend erforderlich. Wenn jedoch zusätzlich zur Nasenverstopfung Beschwerden der Nasennebenhöhlen bestehen, anatomische Veränderungen infolge früherer Operationen detailliert beurteilt werden müssen oder der Verdacht auf eine zusätzliche Erkrankung neben der Perforation besteht, kann eine CT der Nasennebenhöhlen angeordnet werden.
Die Computertomografie ist ein leistungsfähiges Verfahren zur Beurteilung der knöchernen Strukturen, der Nasennebenhöhlen und begleitender Verkrümmungen innerhalb der Nase. Dagegen lassen sich für die chirurgische Rekonstruktion entscheidende Einzelheiten wie die Vitalität und Elastizität der Schleimhaut an den Perforationsrändern bei einer endoskopischen Untersuchung besser beurteilen. Diese beiden Verfahren sind keine Alternativen zueinander, sondern ergänzen sich in den Fällen, in denen beide erforderlich sind.
Die Magnetresonanztomografie gehört hingegen nicht zur Routineuntersuchung. Sie kann bevorzugt werden, wenn der Verdacht auf eine Weichteilraumforderung, eine sich ausbreitende Entzündung oder eine andere Erkrankung besteht.
Beurteilung der Atemfunktion
Nicht jeder Patient mit einer Septumperforation leidet unter einer ausgeprägten Nasenverstopfung. Bei manchen Patienten sind Krustenbildung und Nasenbluten die Hauptprobleme, während bei anderen die Turbulenzen des Luftstroms den Atemkomfort beeinträchtigen. Um diese Unterschiede zu verstehen, wird die Nasenatmung des Patienten sowohl in Ruhe als auch bei körperlicher Anstrengung ausführlich erfragt.
In geeigneten Fällen können objektive Untersuchungen der nasalen Atemwege wie die Rhinomanometrie oder die akustische Rhinometrie eingesetzt werden. Die Rhinomanometrie hilft dabei, den Widerstand gegen den durch die Nase strömenden Luftstrom zu bestimmen. Die akustische Rhinometrie ermöglicht die Beurteilung der Querschnittsflächen und Volumeneigenschaften der Nasenhöhle. Diese Untersuchungen können insbesondere dabei helfen, zu unterscheiden, ob das Gefühl einer Nasenverstopfung durch die Perforation, eine Septumdeviation, vergrößerte Nasenmuscheln oder ein Problem der Nasenklappe verursacht wird.
Allerdings stimmen die Testergebnisse nicht immer vollständig mit den Alltagserfahrungen des Patienten überein. Deshalb sollte die Nasenatmung nicht ausschließlich anhand numerischer Werte, sondern gemeinsam unter Berücksichtigung der Untersuchungsbefunde und der Beschwerden des Betroffenen beurteilt werden.
In welchen Fällen werden Blutuntersuchungen und eine Biopsie angeordnet?
Wenn die Ursache der Perforation eindeutig auf eine frühere Operation, ein Trauma oder eine lokale Reizung zurückzuführen ist, ist eine umfassende Laboruntersuchung nicht immer erforderlich. Blutuntersuchungen können jedoch geplant werden, wenn sich die Perforation rasch vergrößert, die Ränder ein unregelmäßiges Wundbild aufweisen, unerklärliche Schmerzen oder häufige Blutungen auftreten, zusätzliche Beschwerden außerhalb der Nase bestehen oder der Verdacht auf eine systemische Erkrankung vorliegt.
Diese Untersuchungen können Entzündungsmarker und gegebenenfalls spezifische Autoantikörper umfassen, um rheumatologische und autoimmune Erkrankungen abzuklären. Bei Verdacht auf eine Infektion können auch entsprechende mikrobiologische Untersuchungen erforderlich sein. Ziel ist es nicht, die Diagnose anhand eines einzelnen Bluttests zu stellen, sondern mögliche systemische Ursachen der Perforation im Zusammenhang mit dem klinischen Gesamtbild zu untersuchen.
Bei verdächtigen, unregelmäßigen oder nicht heilenden Gewebearealen kann eine Biopsie erforderlich sein. Sie wird nicht routinemäßig bei jedem Patienten durchgeführt, sondern anhand des endoskopischen Erscheinungsbildes, der Krankengeschichte und weiterer Untersuchungsbefunde entschieden. Eine Rekonstruktionsoperation, bevor Erkrankungen wie eine aktive Infektion, eine Autoimmunerkrankung oder eine bösartige Erkrankung ausgeschlossen wurden, kann sowohl das Risiko für Wundheilungsstörungen als auch die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens der Perforation erhöhen.
Wie beeinflussen die Untersuchungsergebnisse die Behandlungsentscheidung?
Das Ziel der Untersuchung besteht nicht nur darin, die Perforation festzustellen. Gemeinsam beurteilt werden der Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Perforation, die Stabilität des Defekts, die Kontrolle der zugrunde liegenden Ursache und die Qualität des Gewebes in der Nase.
Bei kleinen, stabilen Perforationen, die keine ausgeprägten Beschwerden verursachen, können eine Befeuchtung der Nase mit Kochsalzlösung, geeignete Salben und regelmäßige Kontrollen zur Verringerung der Krustenbildung ausreichend sein. Bei symptomatischen Patienten können nichtoperative Möglichkeiten wie ein Septumknopf in Betracht gezogen werden. Bei Patienten, die unter anhaltendem Nasenbluten, Krustenbildung, pfeifenden Atemgeräuschen oder einer Beeinträchtigung des Atemkomforts leiden und deren anatomische Voraussetzungen eine Rekonstruktion zulassen, kann ein chirurgischer Verschluss erwogen werden.
Für die Entscheidung über eine Operation sind neben der Größe der Perforation auch frühere Eingriffe, die vorhandene Knorpelstütze, die Durchblutung der Schleimhaut und begleitende Verkrümmungen entscheidend. Bei komplexen Fällen oder Revisionsoperationen sind eine individuelle Planung, eine realistische Besprechung der Erwartungen und eine regelmäßige Nachsorge besonders wichtig.
Wiederkehrendes Nasenbluten, zunehmende Krustenbildung, pfeifende Atemgeräusche oder Atemprobleme sollten nicht allein auf Trockenheit zurückgeführt werden. Eine ausführliche HNO-Untersuchung und gezielt ausgewählte diagnostische Tests helfen dabei, die richtige Ursache festzustellen und den sichersten Ansatz zum Erhalt der Nasenfunktion zu bestimmen.



