Wenn eine verstopfte Nase, ein Druckgefühl im Gesicht, dunkel gefärbter Nasenausfluss und ein vermindertes Geruchsvermögen über Wochen anhalten, handelt es sich möglicherweise nicht nur um eine wiederkehrende Erkältung. Die Behandlungsmöglichkeiten bei Sinusitis werden unter Berücksichtigung der Dauer der Beschwerden, der bildgebenden Befunde der Nasennebenhöhlen, des Vorliegens von Allergien und anatomischer Engstellen in der Nase festgelegt. Es ist nicht der richtige Ansatz, bei allen Patienten dasselbe Medikament einzusetzen oder unmittelbar eine Operation in Betracht zu ziehen.
Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume in den Gesichtsknochen, die mit der Nase verbunden sind. Wenn die engen Kanäle, die für die Belüftung dieser Hohlräume und den Abfluss von Sekreten sorgen, durch Schwellungen, Infektionen, Polypen oder anatomische Ursachen blockiert werden, kann eine Sinusitis entstehen. Ziel der Behandlung ist nicht nur eine vorübergehende Linderung, sondern auch, die Ursache der Blockierung so genau wie möglich zu identifizieren.
Wann gilt eine Sinusitis als akut und wann als chronisch?
Eine akute Sinusitis beginnt meist nach einer Infektion der oberen Atemwege und kann innerhalb kurzer Zeit abklingen. Gesichtsschmerzen oder ein Druckgefühl im Gesicht, eine verstopfte Nase, postnasaler Schleimfluss, Geruchsverlust und gelegentlich Fieber können auftreten. Die meisten Virusinfektionen erfordern jedoch keine Antibiotika. Daher lässt sich allein anhand der Farbe des Nasensekrets keine bakterielle Infektion diagnostizieren.
Wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen anhalten, im Laufe eines Jahres häufig wiederkehren oder trotz geeigneter Behandlungen keine deutliche Besserung eintritt, deutet dies auf eine chronische Rhinosinusitis hin. Bei chronischen Fällen ist eine Infektion möglicherweise nicht das einzige Problem. Eine allergische Veranlagung, eine Vergrößerung der Nasenmuscheln, eine Septumdeviation, Nasenpolypen, Veränderungen infolge früherer Operationen oder Infektionen dentalen Ursprungs können dazu beitragen, dass die Beschwerden fortbestehen.
Insbesondere bei einseitigem, übel riechendem Nasenausfluss, Schwellungen im Augenbereich, Sehstörungen, starken Kopfschmerzen, hohem Fieber oder Bewusstseinstrübungen ist unverzüglich eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Obwohl diese Symptome selten auftreten, können sie auf Situationen hinweisen, in denen die Sinusitis einen schwerwiegenderen Verlauf nimmt als eine einfache Nasenverstopfung.
Die Diagnose ist die Grundlage für die richtige Behandlungswahl
Bei der Beurteilung einer Sinusitis ist es wichtig zu wissen, wann die Beschwerden begonnen haben, in welchen Zeiträumen sie sich verstärken und von welchen früheren Behandlungen der Patient in welchem Umfang profitiert hat. Bei der Untersuchung werden Schleimhautschwellungen, Sekret, Polypen, eine Septumdeviation und der Zustand der Nasenmuscheln beurteilt.
Die nasale Endoskopie ermöglicht mithilfe einer dünnen Kamera eine detaillierte Betrachtung des Naseninneren und der Bereiche, in denen sich die Nasennebenhöhlen öffnen. Bei Bedarf wird eine Computertomografie der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Die CT zeigt nicht nur Verschattungen in den Nasennebenhöhlen, sondern auch anatomische Strukturen, die für die Operationsplanung wichtig sind. Eine Magnetresonanztomografie ist dagegen nicht routinemäßig bei jedem Patienten erforderlich; sie kann bei einem besonderen Verdacht auf einen Tumor, eine Pilzinfektion oder eine Beteiligung benachbarter Strukturen von Augen und Gehirn eingesetzt werden.
Ein Befund in der CT bedeutet für sich allein nicht, dass eine Operation notwendig ist. Das bildgebende Ergebnis muss zusammen mit den Beschwerden des Patienten, den endoskopischen Befunden und dem Ansprechen auf die Behandlung beurteilt werden. Ziel ist es, unnötige Eingriffe zu vermeiden, ohne bei Patienten mit anhaltenden Beschwerden eine wirksame Lösung hinauszuzögern.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Sinusitis?
Medikamentöse Behandlung: Im ersten Schritt steht häufig die Kontrolle der Beschwerden in der Nase im Vordergrund
Bei akuter oder chronischer Sinusitis umfasst der Behandlungsplan vieler Patienten Nasenspülungen mit Kochsalzlösung sowie vom Arzt empfohlene intranasale Kortikosteroidsprays. Nasenspülungen helfen dabei, zähes Sekret zu entfernen und die Schleimhaut zu befeuchten. Sprays können insbesondere bei Patienten mit chronischen Schwellungen und einer Neigung zur Polypenbildung die Entzündungsreaktion in der Nase verringern.
Antibiotika werden in ausgewählten Fällen eingesetzt, in denen die klinische Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion hoch ist. Antibiotika helfen nicht bei jeder Form von Sinusitis und können zudem die Entwicklung von Resistenzen sowie das Risiko unnötiger Nebenwirkungen begünstigen. Schmerzmittel, Allergiebehandlungen oder kurzfristig eingesetzte systemische Kortikosteroide können ebenfalls entsprechend dem klinischen Zustand des Patienten verordnet werden. Systemische Kortikosteroide können bei Patienten mit Polypen zwar rasch Linderung verschaffen, sollten jedoch aufgrund ihrer möglichen Auswirkungen auf den Blutzucker, den Blutdruck und den Magen nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.
Bei Patienten mit begleitenden Allergien ist es wichtig, die Auslöser zu identifizieren und die allergische Rhinitis regelmäßig zu kontrollieren. Auch Reflux, Zigarettenrauch, unkontrolliertes Asthma und berufliche Reizstoffe können die Nasenschleimhaut bei manchen Patienten negativ beeinflussen. Nachhaltige Ergebnisse werden daher nicht allein durch Medikamente, sondern auch durch die Behandlung begleitender Faktoren unterstützt.
Korrektur struktureller Probleme: Erweiterung der Atemwege
Eine Septumdeviation, also eine Verkrümmung der Nasenscheidewand, muss nicht zwangsläufig alleinige Ursache einer Sinusitis sein. Wenn sie jedoch zu einer deutlichen Verengung im Bereich der Drainagekanäle der Nasennebenhöhlen führt, kann sie die Belüftung der Nase und die Wirksamkeit der angewandten Behandlungen beeinträchtigen. Ebenso werden vergrößerte Nasenmuscheln oder anatomische Varianten wie eine Concha bullosa beurteilt.
Bei diesen Patienten können eine Septumplastik, eine Nasenmuscheloperation oder erforderliche anatomische Korrekturen gemeinsam mit einer endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation oder im Rahmen eines separaten Behandlungsplans durchgeführt werden. Ziel jedes Eingriffs, der die Nasenfunktion betrifft, ist nicht, das Gewebe übermäßig zu verkleinern, sondern eine ausreichende Weite zu schaffen und dabei den natürlichen Luftstrom zu erhalten.
Endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie: Wann kommt sie infrage?
Wenn die Beschwerden bei chronischer Rhinosinusitis trotz geeigneter medikamentöser Behandlung anhalten, Polypen in den Nasennebenhöhlen vorhanden sind, wiederkehrende Episoden die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen oder besondere Erkrankungen wie eine Pilzsinusitis festgestellt werden, kann eine endoskopische Nasennebenhöhlenoperation in Betracht gezogen werden. Bei diesem Eingriff werden die natürlichen Abflusswege der Nasennebenhöhlen mithilfe einer Kamera geöffnet, ohne dass ein äußerer Hautschnitt erforderlich ist. Erkranktes Gewebe wird dabei im notwendigen Umfang entfernt.
Der Umfang der Operation ist nicht bei allen Patienten gleich. Bei manchen reicht ein Eingriff in einem begrenzten Bereich der Nasennebenhöhlen aus, während bei ausgedehnten Polypen oder Verengungen nach früheren Operationen ein umfassenderes Vorgehen erforderlich sein kann. Insbesondere bei Patienten, die bereits an den Nasennebenhöhlen operiert wurden, können veränderte normale anatomische Grenzen eine präzisere Operationsplanung erforderlich machen. Deshalb sind eine detaillierte CT-Auswertung, die endoskopischen Befunde und die Erfahrung des Chirurgen entscheidend.
Ziel der Operation ist nicht, die Nasennebenhöhlen vollständig zu entfernen, sondern ihre Belüftungs- und Drainagewege wieder funktionsfähig zu machen. Nasenspülungen, bei Bedarf eine Behandlung mit Nasensprays und regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen sind nach der Operation unverzichtbare Bestandteile der Behandlung. Auch wenn eine Operation bei chronischer Sinusitis mit Polypen eine deutliche Linderung bewirken kann, ist eine langfristige Nachsorge erforderlich, da die zugrunde liegende Entzündungsneigung fortbestehen kann.
Ist eine Ballondilatation der Nasennebenhöhlen für jeden Patienten geeignet?
Die Ballondilatation der Nasennebenhöhlen ist ein Verfahren, bei dem der Drainagekanal der Nasennebenhöhlen bei geeigneten Patienten mithilfe eines Ballons erweitert wird. Sie kann bei begrenzten Verengungen und in ausgewählten Bereichen der Nasennebenhöhlen hilfreich sein. Bei Patienten mit ausgedehnten Polypen, ausgeprägtem entzündlichem Gewebe, Pilzansammlungen oder umfassenden anatomischen Problemen ist sie dagegen möglicherweise allein nicht ausreichend.
Bei der Wahl des Verfahrens sollte nicht ausschließlich die Dauer der Genesung im Vordergrund stehen. Das Ausmaß der Erkrankung, die betroffenen Nasennebenhöhlen, begleitende Probleme im Naseninneren und frühere Behandlungen müssen berücksichtigt werden. Ein kleinerer Eingriff ist nicht zwangsläufig wirksamer, ebenso wenig ist eine umfangreichere Operation für jeden Patienten erforderlich.
Was ist in der Zeit nach der Operation zu erwarten?
In den ersten Tagen nach einer endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation können eine verstopfte Nase, leichter blutiger Ausfluss und ein Druck- oder Völlegefühl im Gesicht auftreten. Bei den meisten Patienten ist eine Tamponade nur in begrenztem Umfang erforderlich; der konkrete Eingriff und eine begleitende Operation an der Nasenscheidewand können dies jedoch beeinflussen. In den ersten Wochen sind regelmäßige Nasenspülungen, die korrekte Anwendung der verordneten Medikamente und die kontrollierte Entfernung von Krusten für die Heilung wichtig.
Die Verbesserung des Geruchssinns kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da sie von der Heilung der Schleimhaut abhängt. Der Erfolg lässt sich nicht allein anhand der ersten Tage nach der Operation beurteilen. Aussagekräftiger sind eine Abnahme der Beschwerden, seltener auftretende Infektionsepisoden, eine verbesserte Schlafqualität und eine freiere Nasenatmung.
Für Patienten, deren Lebensqualität seit längerer Zeit durch eine Sinusitis beeinträchtigt ist, besteht der beste Weg nicht darin, sich im Voraus auf eine einzige Lösung festzulegen, sondern einen individuellen Plan zu erstellen, bei dem die Strukturen im Naseninneren und die Erkrankung der Nasennebenhöhlen gemeinsam beurteilt werden. Auch im Behandlungsansatz von Prof. Dr. Gediz Murat Serin bildet diese Beurteilung den Ausgangspunkt für eine sichere und angemessene Planung der erforderlichen medikamentösen Nachsorge oder eines chirurgischen Eingriffs.



